Beitrag des Monats

Juni 1280

Mina führte Hope über die Holzbrücke, dann saß sie auf. Gerne wäre sie gleich losgeprescht, um sich abzureagieren, aber dann würde Wotan nicht mitkommen und so schlug sie einen lockeren Trab an.

Ihre Gedanken schweiften zurück und sie schüttelte traurig den Kopf. In diesem Mönch hatte sie sich gründlich getäuscht und das kam nicht oft vor. Auch wenn es ihre Meinung über die Kirchenleute eher bestätigte. In ihrer Hütte, als er geweint hatte, da hatte sie wirklich gedacht, er sei anders, besser, als die anderen Vertreter der christlichen Kirche mit denen sie bisher zu tun hatte, aber er war genauso.
Sicher, der Mann war ein Verbrecher und eine Gefahr für das Dorf, aber ihr war unklar, wie er verurteilt werden konnte, ohne ihn vorher anzuhören. Sie kannten nichtmal seinen Namen, wußten nicht, ob Verbündete sich irgendwo in der Nähe aufhielten, wußten nicht, was er mit Damian zu tun hatte, was ihn nach Kingsbridge und zu Ava verschlagen hatte, nichts.

Mina hatte kein Problem damit, jemanden im Kampf zu töten, aber sich an einem Wehrlosen zu vergreifen war ihr zutiefst zuwider. Wäre sie früher in Avas Hütte aufgetaucht, hätte sie den Mann ohne Zögern getötet, aber jetzt, wehrlos und ihnen ausgeliefert, fand sie den Gedanken abscheulich. Ihr erschien es fairer, ihn um sein Leben kämpfen zu lassen, aber natürlich hatte Bruder Max Recht; wenn er gewann, wäre das eine kleine Katastrophe.
Verzweifelt zauste sie Hopes Mähne und merkte erst später, daß ihr die Tränen über die Wangen liefen.
Und Ava, wie würde sie sich fühlen? Erleichtert weil ihr Peiniger tot war oder irgendwie schuldig an seinem Tod? Sie hatte wenig gesagt, nur blass und verstört dagesessen.

Juan würde es bestimmt auf seine Art regeln und Mina hoffte, daß es vorbei wäre, wenn sie mit William zurückkam. Bruder Max' Gesichtsausdruck fiel ihr wieder ein, als er in der Hütte an William gedacht hatte. Sanft, gütig und liebevoll war er ihr erschienen und dann später bei Ava hatte er entschlossen, wütend und hart auf sie gewirkt.

Jeder von uns hat zwei Seiten, dachte sie bekümmert und erinnerte sich an ihre eigenen Worte. Sie war bereit, ihre neue Heimat und deren Bewohner zu verteidigen, hatte sie gesagt. War sie das auch wirklich? Dazu gehörte auch, daß man diese vor künftigem Unglück schützte und Gefahren abwandte und dieser Kerl fiel definitiv in diese Kategorie. Wenn er am Leben blieb, war sie mitschuldig an den zukünftigen Verbrechen, die er verüben würde, mal abgesehen von der Bedrohung, die er für das Dorf darstellte.

Sie konnten ihn nicht am Leben lassen. Und während Max diese Tatsache akzeptiert hatte und der daraus folgenden Konsequenz mutig entgegenblickte, war Mina nicht bereit gewesen, diesen Schritt zu gehen. Während die Landschaft an ihr vorüberglitt fragte sie sich, ob ihre Motive wirklich so ehrenhaft waren wie sie dachte, oder ob die Feigheit ihr die Worte diktiert hatte.

Endlich kam der Hof in Sicht und wie immer kam ihr die bellende Hundemeute mit ein paar Kindern im Schlepptau entgegengesaust. Schnell wischte sie die letzten verräterischen Spuren aus ihrem Gesicht und sprang lachend vom Pferd. Nachdem sie alle Kinder, Hunde, wieder die Kinder und nochmal die Hunde gebührend begrüßt hatte, setzte sie die Kleinsten der Kinder auf Hopes Rücken und führte das Pferd auf den Hof, wo sie es am Wassertrog anband.
Sofort kam Marge aus dem Haus gewuselt und begrüßte sie erfreut.

Nach dem Essen erzählte sie Arthur und Marge von den Vorkommnissen und ihrer Reaktion und erntete prompt Unverständnis. "Wenn er das hier bei uns gewagt hätte, hätte ich ihn gleich totgeprügelt. Und zwar ohne seinen verfluchten Namen zu kennen" erboste sich Arthur und Marge nickte. "Da gehört nicht lang gefragt sondern ein starker Ast gesucht" meinte sie und Mina seufzte. "Ich hätte nicht gedacht, daß grade Du so zimperlich bist" sagte Arthur und lehnte sich zurück. "Ich weiß auch nicht" grummelte Mina verwirrt. Trotzdem erschien es ihr immer noch falsch. Oder lag es daran, daß sonst immer sie diejenige gewesen war, die konsequenter und härter war, als die anderen? Ich glaube, das Dorfleben verweichlicht mich grinste sie schließlich und versuchte, die klebrigen Finger der kleinen Mary (hieß sie wirklich Mary??) aus ihren Haaren zu bekommen.
"Wie geht es William?" fragte sie schließlich, denn beim Essen hatte er einen stillen Eindruck auf sie gemacht. "Ich glaube, er vermisst Bruder Max" antwortete Marge und Mina grinste. Na wenigstens diese eine Sache würde sie richtig machen und den Kleinen zurück nach Kingsbridge bringen. Sie besprach noch verschiedenes mit den beiden und dann stand sie auf. "Soll ich euch das andere Pferd dalassen?" Bot sie an, doch Arthur schüttelte den Kopf. "Nein, nimm es ruhig mit, es eignet sich nicht als Ackergaul" beschied er ihr, doch die Kinder waren anderer Meinung. "Laß uns das Pferd da" bettelten sie und Mina schaute Arthur fragend an. "Ja, die Kinder haben Spaß mit dem Tier" nickte er und lachte. "Dann lass ich es euch nochmal da und wir werden es später holen" entschied Mina und stand auf, um William zu suchen. Sie hatte ein bischen Angst, daß er nicht mir ihr reiten wollte, aber ihre Unsicherheit war unnötig.
Er war draussen im Hof und spielte mit den anderen Kindern. Mina kniete sich vor ihn und sah ihm in die Augen. Blaue Augen, klar wie ein ruhiges, tiefes Wasser blickten ihr entgegen und sie mußte lächeln. "William, ich möchte Dich gern zurück nach Kingsbridge bringen, zu Bruder Max". Strahlend freute sich William und setzte sich wie selbstverständlich auf ihr Bein. Mina hielt ihn einen Moment fest, bevor sie aufstand und ihm durch das weizenblonde Haar strubbelte. Dann sah sie nach Hopes Sattel, schnallte Williams Decke hinten dran und stieg auf. Arthur reichte ihr William hinauf und vertrauensvoll kuschelte er sich in ihren Arm, der ihn festhielt. Endlich traten sie den Heimritt an und Mina lächelte über den kleinen, warmen Körper, der vor ihr im Sattel saß und ihren Bauch und ihr Herz wärmte.

von Mina
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Januar 1280

Ava war in ihrem Element. Wie erwartet waren schon früh die ersten Kunden gekommen und ihr improvisierter Stand hatte trotz des ärmlichen Aussehens schnell die Leute angezogen.
Die meisten Interessenten waren zuverlässige und treue Bedienstete der reichen Bürger, die zum Einkaufen auf den Markt geschickt worden waren, aber es waren auch einige nicht ganz so reiche Bürger dabei, die persönlich einkaufen gingen und mehrere Männer und ein paar Frauen, die aus einem ähnlichen Handwerkszweig kamen. Sie alle scharten sich um Avas ausgebreitete Waren, befühlten sie und begutachteten sie von allen Seiten, so dass Ava teilweise aufpassen musste wie ein Luchs, dass nicht plötzlich etwas davon fehlte.

Der warme braune Mantel war als erstes verkauft: ein noch sehr junger Bediensteter wollte ihn seinem Vater mitbringen, der ebenfalls im Dienste seines Herrn stand und dort für die Gartenpflege und den Stall verantwortlich war. In den klirrenden englischen Wintern würde der Mantel ihm sicher gute Dienste leisten bei soviel Zeit an der frischen Luft, versicherte Ava dem Jungen, und vor allem würde er lange an dem Mantel Freude haben.
Der ockerfarbene Kurzmantel mit Kapuze fand einige Interessenten, so dass Ava sich insgeheim merkte, dass sie den Preis nächstes Mal sogar noch ein wenig anheben konnte. Schlussendlich kaufte ihn ein reicher Bürger für seine Tochter.
Bei den Vorhängen war die Sache schon schwieriger. Die meisten Männer konnten nur schlecht abschätzen, wie groß ihre Fensteröffnungen zuhause waren und welche Vorhänge lang genug waren, aber Ava blieb stets freundlich und versprach zwei Herren, mit dem Verkauf der Vorhänge zu warten, bis sie schnell die Fenster ausgemessen hatten, da sie nicht weit entfernt wohnten.
In der Zwischenzeit stürmten viele Fragen auf sie ein: Wo sie herkäme, wo sie das Schneiderhandwerk gelernt habe, ob sie einen festen Lieferanten für Tuch hatte (dies fragten mehrere der ebenfalls in der Gasse verkaufenden Tuchhändler), eine Seidenweberin wollte wissen, ob sie gedenke, auch Seide zu verarbeiten, usw. Ava beantwortete jede Frage geduldig, blieb ein wenig vage, was ihre Geschäftsbeziehungen anbetraf, wurde aber nicht müde zu betonen, dass sie in Kingsbridge lebe, dort auch ihre Schneiderei einrichten würde und in Zukunft wohl hier in Worcester auf dem Markt und in Kingsbridge anzutreffen sei, um Aufträge entgegen zu nehmen.

Einen arroganten Schönling, der sich einiger frecher und anzüglicher Sprüche erdreistete, wies sie mit einem Scherz auf seine Kosten in die Schranken und er trollte sich missmutig. Danach wagte es keiner der Herren mehr, ihr zweideutige Angebote zu machen, was ihr nur recht war.

Sie hatte schon eine halbe Stunde zuvor die letzten beiden Vorhangpaare an die Herren, die vom Abmessen wiedergekommen waren, verkauft, doch als sie irgendwann Juan zwischen den Umstehenden entdeckte, war sie immer noch in Diskussionen über die besten Stiche für einen festen Saum und die allgemeine Qualität des Tuchs hier auf dem Markt verwickelt.
Sie sah Juan grinsen ob der Belagerung und fragte sich, wie lange er sie schon beobachtete hatte.
Für einen Moment war sie sehr versucht, ihn den anwesenden Herren vorzustellen. Der kleine Italiener wäre sicherlich sehr geschmeichelt, wenn sie ihn als einen der Gründer von Kingsbridge und hervorragenden Tuchmacher vorstellte und einige der Herren mochten von der Geschichte um Kingsbridge gehört haben, aber andererseits würde es ihr und ihm vermutlich nicht gerade das Wohlwollen der vielen Händler in der Gasse einbringen und sie hatten ja auch heute noch vieles zu erledigen.
Daher beschränkte sie sich darauf, sich einige Namen der wohlhabenden Bürger, die Interesse an ihren Diensten haben könnten, geben zu lassen und packte ihre Decke zusammen. Ihre Börse war jetzt annehmbar gefüllt und sie würde die Einkäufe wohl bezahlen können und noch etwas übrig behalten für den kommenden Monat.
Die Kunden zerstreuten sich, als sie einpackte und so wartete nur noch Juan auf sie, als sie fertig war.

"Guten Morgen, Juan, ich hoffe, du hast gut geschlafen", begrüßte sie ihn mit einem Zwinkern. "Was hast du als nächstes geplant? Arbeiten wir die Einkaufslisten ab?"

von Ava MacGill
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Dezember 1279

Eisige Kälte umgab ihn und die Hilflosigkeit fraß ihn schier auf. Mit gnadenloser Härte und einer aberwitzigen Skrupellosigkeit hatte ihn die Wahrheit eingeholt. Es gab keinen Ausweg, keine glückliche Zukunft mit seiner geschätzten und über alle Maßen geliebten Verlobten. Es gab nur das grauenhafte Warten, das Warten auf den unvermeidlichen Tod.

Diese Qual fraß Juan schier auf und er wanderte vor seiner Behausung auf und ab. Tränen quollen aus seinen Augen und suchten sich ungehindert den Weg über seine Wange und rannen den Hals herunter. Verzweifelt schaute er zu dem tiefgrauenen Himmel und mit gequälter Stimme fragte er: „Warum Sie? Sie ist doch noch viel zu jung. Hast du denn keinerlei Gefühle?“ Eine Antwort erhielt er nicht und er setzte sich mit gesenktem Kopf auf eine Holzbank vor seinem Haus.

Plötzlich nahm neben ihm Lady Holly platz und schaute Juan lange nachdenklich an. Sie war eine gute Freundin des Hauses und stand Juan und seiner sterbenden Verlobten stets sehr nah. „Juan die Selbstzweifel und die Trauer sollte dich nicht auffressen. Deine Aufgabe ist es nicht, dich hier draußen selber zu bemitleiden. Gehe ins Haus und stehe deiner Frau in diesen schweren Stunden bei. Sie braucht dich jetzt mehr als jemals zuvor. Nimm Abschied, begleite sie auf ihrem Weg. Unterstütze ihren letzten, beschwerlichen Weg. Der dunkle Tunnel ist lang, das Öffnen der Tür am Ende des Tunnels bedarf Mut und unendlich Kraft. Dahinter erwartet sie das endlose, sanfte Licht.“

Juan nickte und wischte sich die Tränen aus dem Gesicht und ergriff die Hände von Lady Holly.
„Ihr habt recht, ich danke euch. Deine Unterstützung bedeutet mir soviel.“
Mit diesen Worten erhob sich Juan mit neu geschöpfter Kraft und betrat sein Haus. An der Tür zum Schlafgemach seiner über alles geliebten Verlobten, legte er die Hand auf die Türklinge, verharrte noch einen Moment und holte tief Luft. Er betrat den Raum. Der Duft von frischen Rosen erfüllte den abgedunkelten Raum, nur einige Kerzen erhellten das Zimmer. Juan setze sich ans Bett seiner Verlobten und nahm ihre kühle Hand. Sie atmete schwer und ihre Augen waren geschlossen, doch Juan glaubte ein Lächeln über ihr Gesicht huschen zu sehen, als er ihr einige Worte zuflüsterte und ihre Hand zart drückte. So blieb Juan die ganze Nacht am Bett seiner Geliebten sprach mit ihr und streichelte ihre Hand. Sie schlief ein und folgte unaufhörlich dem dunklen Gang, stieß die Tür auf und schaute durch die Tür und was dahinter verborgen lag, mit schwacher Stimme flüsterte sie: „Dann mach Sie doch an“.

Im Morgengrauen entzündete Juan eine Kerze im Zimmer und verließ unter tiefster Trauer das Zimmer. Seine Geliebte hatte den Kampf gegen den Feind verloren, doch war es wirklich eine Niederlage? Sie hatten im Frieden voneinander Abschied nehmen können, sie war erlöst von allen Qualen. Dieses Wissen half Juan über diese schweren Stunden hinweg, vor dem Haus wartete Lady Holly auf ihn. Er nickte leicht mit dem Kopf und flüsterte: „Sie hat Frieden gefunden.“
Juan schaute erneut richtung Himmel und dieser schenkte ihm einige schwache Sonnenstrahlen, die sich den Weg durch die dichten Wolken suchten. Bessere Zeiten würden wieder kommen, das wußte er und wie zur Bestätigung riß die Wolkendecke auf und die Herbstsonne erstrahlte in ihrer ganzen Pracht.

von Juan Buonaventura
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November 1279

Es war ein wunderschöner Nachmittag. Damian saß zusammen mit Ava auf einer ausgebreiteten Decke, mitten auf dem Marktplatz. Gerade hatten sie ihr Picknick beendet, und Ava räumte lachend das Brot und den Käse in den Korb. Die makellose Holzverkleidung der Häuser strahlte im gleißenden Sonnenschein. Er bemerkte ein weit offen stehendes Fenster an einem der Häuser, aus dem ein milder, leicht flackernder rötlicher Schimmer drang. Eine erfrischende Brise ließ einen der mit schwungvollen spiralförmigen Schnitzeren verzierten hölzernen Läden sanft gegen die Hauswand klopfen, wobei er einen melodischen, klingenden Ton von sich gab. Irgendwie kam ihm das Haus merkwürdig vertraut vor.
Avas heißer Atem an seinem Hals riss ihn aus seinen Überlegungen. Sie war zu ihm herübergekrabbelt, setzte sich nun auf ihre Fersen und blickte ihn verspielt mit schräggelegtem Kopf an. Als sie sich mit halb geöffnetem Mund zu ihm vorbeugte, schloss er die Augen und freute sich auf den kommenden Kuss.
Damian wartete geduldig, doch nach ein paar Minuten bekam er ein mulmiges Gefühl und öffnete die Augen stirnrunzelnd wieder. Mit wachsendem Entsetzen musste er mitansehen, wie seine schlimmsten Befürchtungen wahr wurden: Ava starrte aus weit aufgerissenen, leicht glasigen Augen in seine Richtung, schien aber geradewegs ins Leere zu blicken. Er kannte diesen Blick nur zu gut – den Blick, den tödlich Verwundete kurz vor ihrem Ableben hatten... Er wollte schreien, bis seine Lungen nachgaben, wollte sich vor dem verschließen, was er bereits kommen sah, aber er war machtlos gegen den Lauf der Dinge. Bevor er auch nur den Mund aufmachen konnte, hustete sie ihm mit einem Ruck einen Schwall Blut ins Gesicht und sank schlaff in seine Arme.
Eine einsame Träne bahnte sich den Weg über Damians Wange und hinterließ ein ungewohntes Kitzeln. Es war sehr lange her, seit er das letzte mal geweint hatte – es musste damals gewesen sein, nachdem... er blickte ruckartig auf Ava, als er fühlte, wie sie in seinen Armen an Konsistenz verlor. Entsetzt beobachtete er, wie ihre Haut sich dunkel färbte, und sie halb bröckelnd, halb fließend vor ihm zu einem rot-schwarzen Haufen zusammensackte. Langsam wandte den Kopf wieder nach oben, weg von dem schrecklichen Anblick. Er fühlte sich furchtbar leer, als wäre alles Leben bereits aus ihm gewichen und sein Körper nur noch eine hohle Hülle ohne Sinn und Zweck. Eine weitere Träne rollte über seine Wange und vermischte sich mit dem Brei zu seinen Füßen.
Eine plötzliche Hitzewelle traf mit voller Wucht auf sein Gesicht und brannte auf seiner Haut. Er kannte die Ursache schon bevor er in die Richtung sah, aus der sie kam. Flammen wüteten gierig in dem Zimmer, das er vorhin rötlich schimmernd gesehen hatte, und leckten an dem verzierten Fensterladen empor. In der Tür des Hauses stand eine Person mit einem langen Mantel, die Kapuze tief ins Gesicht gezogen. In der Hand hielt sie eine Armbrust, mit der sie gerade auf Damian anlegte. Er hätte versuchen können, auszuweichen, auf die Gestalt zuzulaufen und sie zu bekämpfen, aber es schien ihm alles sinnlos. Seine Arme und Beine waren schwer wie Blei, und es fiel ihm schwer, überhaupt seine Augen offenzuhalten, um wenigstens seinen eigenen Tod mitzubekommen. Der Bolzen traf ihn genau zwischen die Augen, und um ihn herum wurde es schlagartig dunkel.

von Damian Black
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